Am 16. September 2026 wurde in der Chamer Zeitung die Frage aufgeworfen: „Und was ist mit Rötz?“ Dazu eine Stellungnahme von Pfr. Dr. Michael Rummel:
Die Evangelisch-Lutherische Pfarrei Cham–Furth im Wald–Waldmünchen überprüft derzeit ihren gesamten Gebäudebestand mit Blick auf die kommenden Jahre. Hintergrund ist die Gebäudebedarfsplanung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Sinkende Mitgliederzahlen, rückläufige Kirchensteuereinnahmen und steigende Unterhaltskosten führen dazu, dass kirchliche Gebäude künftig stärker konzentriert und priorisiert werden müssen.
Diese Prüfung betrifft die gesamte Pfarrei. Wie bereits berichtet, wird in Cham das Gemeindehaus aufgegeben; die Gemeinderäume werden künftig in die Kirche verlagert. Auch an den anderen Standorten wird geprüft, welche Gebäude langfristig erhalten und finanziert werden können. Für die Zachäuskirche in Furth im Wald und die Friedenskirche in Waldmünchen konnte bereits, wie mehrfach in der Presse berichtet wurde, eine langfristige Zukunftsperspektive gesichert werden.
Bei der Auferstehungskirche in Rötz ist die Zukunft dagegen noch offen. In das Gebäude müsste einiges investiert werden. Dem steht jedoch eine vergleichsweise geringe Nutzung gegenüber. Wünschenswert wäre es, einen Investor oder Träger zu finden, der die Kirche saniert, unter der Woche einer weiteren Nutzung zuführt und zugleich ermöglicht, dass die Kirchengemeinde das Gebäude weiterhin für Gottesdienste nutzen kann. Der Kirchenvorstand prüft deshalb derzeit verschiedene Möglichkeiten – vom vorläufigen Weiterbetrieb mit notwendigen Maßnahmen bis hin zu einer möglichen späteren Aufgabe und Veräußerung. Eine Entscheidung ist ausdrücklich noch nicht gefallen.
Bei allen Überlegungen ist dem Kirchenvorstand die besondere Bedeutung der Auferstehungskirche bewusst. Sie wurde von schlesischen Flüchtlingen errichtet und steht damit für die Geschichte von Flucht, Ankommen und neuer Heimat. Viele Menschen verbinden mit ihr persönliche Erinnerungen und wichtige Stationen ihres Lebens.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen zahlreiche evangelische Heimatvertriebene nach Rötz und in die Umgebung. Zeitweise waren dort rund 820 evangelische Gemeindeglieder zu betreuen. Dadurch entstand die Notwendigkeit eines eigenen Kirchengebäudes, und die Auferstehungskirche wurde errichtet. Heute stellt sich die Situation anders dar. Ein großer Teil der Heimatvertriebenen und ihrer Nachkommen zog in andere Regionen Deutschlands; zugleich ist die evangelische Gemeinde vor Ort im Laufe der Jahrzehnte deutlich kleiner geworden.
Pfarrer Michael Rummel ist sich der Verantwortung für dieses Erbe bewusst: „Kirchen sind mehr als Gebäude. An ihnen hängen Erinnerungen, Lebensgeschichten und Glaubenserfahrungen. Gleichzeitig müssen wir ehrlich prüfen, was wir als Pfarrei langfristig erhalten, finanzieren und mit Leben füllen können. Ich bin nicht Pfarrer geworden, um Kirchen zu schließen. Aber ich trage auch Verantwortung dafür, dass die kommende Generation Gottesdiensträume vorfindet, die bezahlbar sind und einladend wirken.“
Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie gehen wir mit der Auferstehungskirche Rötz verantwortlich um – zwischen ihrer Geschichte, der Verbundenheit der Menschen mit diesem Ort und den tatsächlichen Möglichkeiten unserer Pfarrei? Und was können wir uns angesichts sinkender Mitgliederzahlen und zurückgehender Kirchensteuereinnahmen künftig noch leisten?
Regionalbischof Klaus Stiegler brachte diese Herausforderung erst im Juni bei der Entwidmung der Sebastianskirche in Freystadt auf den Punkt: „Wir verabschieden uns von den Gebäuden, aber nicht von den Menschen – und es braucht Mut und Phantasie, um relevant für das Leben der Menschen zu sein.“
Pfr. Dr. Michael Rummel