Evangelische Jugend erinnert an die Opfer der Todesmärsche
Auch am 23. April 2026 erinnerte die Evangelische Jugend Cham an die Opfer der nationalsozialistischen Todesmärsche. Anlass des jährlichen „Geh‑Denkens“ ist die Befreiung des Todesmarsches in Wetterfeld am 23. April 1945.
Über 50 Interessierte waren der Einladung gefolgt, darunter zahlreiche Konfirmandinnen und Konfirmanden aus dem Landkreis Cham aus dem Kurs von Pfarrer Stefan Nagel. Gemeinsam gingen sie schweigend ein Stück des historischen Weges bis zum Mahnmal am Bierl. Das stille Gehen stand erneut als Zeichen des bewussten Erinnerns und des gemeinsamen Innehaltens.
Unterbrochen wurde der Weg durch ausgewählte Texte, die Raum für persönliches Nachdenken ließen. Am Mahnmal angekommen fand das Gedenken seinen würdigen Abschluss. Die Ansprache von Dekanin Ulrike Dittmar wurde in diesem Jahr vom Dekanatsjugendpfarrer Heiko Hermann vorgetragen und griff die innere Zerrissenheit zwischen der Erinnerung an die Gräueltaten der Vergangenheit und den aktuellen Bildern von Krieg, Gewalt und Menschenverachtung in der Welt auf. Zugleich rief sie dazu auf, sich nicht von Angst, Gewalt und tödlichen Strukturen bestimmen zu lassen, sondern sich an Gottes Geist auszurichten, der Mut zur Entscheidung, Kraft zum Widerstehen und Hoffnung auf Leben schenkt.
Die Fürbitten, das Vaterunser sowie der abschließende Segen wurden von der Religionspädagogin aus der Kirchengemeinde Roding Ruth Endes gestaltet. In der gemeinsamen Liturgie und im stillen Gedenken wurde deutlich, wie wichtig Erinnerung gerade auch für junge Menschen ist. Das jährliche Geh‑Denken macht sichtbar, dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus auch mehr als 80 Jahre nach Kriegsende nichts von ihrer Bedeutung verloren hat.