"Zeit und Ewigkeit aus Sicht der Wissenschaft"
Gespannte Blicke richteten sich am Sonntag im Gottesdienst auf die Kanzel der Matthäuskirche: Prof. Dr. Dr. Ulrich Schreiber war der erste, der sie im Rahmen der Kanzelreden diesen Herbst betrat. Seinen Beitrag zur Jahreslosung „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu“ stellte er unter die Überschrift: „Zeit und Ewigkeit aus der Sicht der Wissenschaft“. Der Physiker an der TU München ist in unserer Gegend gut bekannt durch das Geodätische Institut Wettzell. Als Wissenschaftler betrachtet er die Jahreslosung als Zeitenwende und fragt, was die Zeit überhaupt ist. Sie wird vielfach gemessen und bestimmt unser Leben, eine Definition fällt allerdings schwer. So antwortete schon der Kirchenvater Augustin von Hippo, gefragt nach der Zeit: „Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es. Will ich es einem Fragenden erklären, weiß ich es nicht.“
Man merkte dem Kanzelredner an, wie ihn diese Diskrepanz zwischen gefühltem Wissen und Wissenschaft faszinierte. Darauf nahm er die konzentrierte Gemeinde mit zu einem Ausflug in Raum und Zeit, Newton und Einstein, Lichtgeschwindigkeit und thermodynamisches Gleichgewicht. Das alles, um letztlich festzustellen: „Ewigkeit tritt dann ein, wenn Materie restlos verschwindet. Als Konsequenz verschwindet damit aber auch der Raum und mit ihm letztlich auch die Zeit. Die Ewigkeit, so können wir daraus schließen, ist deshalb zwingend immateriell.“
So ganz immateriell beendete er seine Rede allerdings nicht, sondern überreichte Pfarrerin Nagel noch eine Packung „Lutherol“: Lutherzitate in Tablettenform, zum zeitlichen Einsatz.
Eifrige Diskussionen, wie in so einer dargelegten Ewigkeit Gott vorstellbar ist, wurden anschließend beim Kirchencafé noch lange diskutiert.
In der nächsten Kanzelrede am 18. Oktober wird der Architekt Michael Baltes seine Sicht zur Jahreslosung darstellen.