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Herzlich Willkommen im Evangelischen Bayerwalddekanat!
Geschichte und Gegenwart des Dekanatsbezirks Cham - entdeckt von Dekan Walter Kotschenreuther Immerhin keine einfache Aufgabe, das Dekanat Cham zu beschreiben, denn es reicht von Nittenau und Neunburg vorm Wald bis nach Frauenau und Bayrisch Eisenstein, umfaßt also einen Teil des Landkreises Schwandorf und die beiden Landkreise Cham und Regen. Mit seinem Durchmesser von 78 Km in der Länge und 42 Km in der Breite – also einer Fläche von ca. 3.300 Km² - zählt dieses Dekanat zu den 10 größten Flächendekanaten in Bayern. Andererseits kennzeichnet die extremste Diasporasituation Bayerns unser Dekanat: Im Durchschnitt leben in dieser Fläche weniger als 5% Protestanten. Mit ca. 15.000 evangelischen Christen zählt unser Dekanat zu den 10 kleinsten in Bayern. So zählen wir also zu den größten und kleinsten Dekanaten zugleich! Was verbindet also so wenige Menschen evangelischen Bekenntnisses, die auf einer so großen Fläche verteilt leben ? Der Bayerische Wald und die ihm eigenen Lebensbedingungen prägt den Lebensraum der Gemeinden in unserem Dekanat, daher der ebenso plakative, wie aussagekräftige Name „Bayerwald-Dekanat“. Ein Blick in die regionale Landkarte macht zudem drei Verbindungslinien offensichtlich: 1. die Grenze zur Tschechischen Republik von Waldmünchen über Furth bis Bayr. Eisenstein, das noch zur Kirchengemeinde Zwiesel gehört 2. die Glasstraße, von Rötz über Waldmünchen, Furth, Lam und Bodenmais bis Zwiesel und Frauenau führt und in einer Alternativroute Cham und Viechtach mit einschließt, sowie 3. der Regenwanderweg von Regen über Kötzting, Cham und Roding bis nach Nittenau Jede dieser drei Linien markiert einen Aspekt des Lebensraumes in den sich unser „Bayerwald-Dekanat“ einfügt. Die Grenzlandsituation mit ihrer Perlenkette größerer und kleinerer Bundeswehrstandorte, die ca. 3.200 Soldaten beherbergen. Dazu kommen die Familien. Dieser Teil der „evangelischen“ Bevölkerung ist offensichtlich eine unmittelbar Folge des berufsbedingten Zuzuges aus dem evangelischen Norden Deutschlands. In der Grenzlandsituation liegen allerdings auch die Wurzeln einer protestantischen Tradition, die sich über ein Jahrhundert hinweg erstreckt. Frei nach dem etwas spöttischen Motto: „Bayern wird von den Bayern regiert, aber von den Franken verwaltet“, entstanden nach der Säkularisierung und der Neugestaltung des bayrischen Staates durch Monteglas durch den Zuzug von Staatsbediensteten in Cham, Furth und Zwiesel kleine aber stabile lutherische Gemeinden, die sich vor etwas mehr als hundert Jahren sogar eine eigene Kirche leisten konnten. Eine Tendenz, die sich bis zum heutigen Tag durchzieht: Der überproportionale Anteil an Berufsgruppen, die zur klassischen Infrastruktur zählen, Beamte, Ärzte, Lehrer, Juristen sind auch heute noch – dank des berufsbedingten Zuzuges - in unseren Gemeinden ist ein deutliches Signal. Umgekehrt ist allerdings festzuhalten, daß die verarbeitende Industrie noch immer dem Standard einer strukturschwachen Grenzlandsituation entspricht. Der industrielle Boom entlang der Donau- und Isar-Region hatte im „Wald“ nur spärliche Auswirkungen. Ein weiteres prägendes Merkmal der Grenzlandsituation – speziell zur Tschechischen Republik – sind die Partnerschaftsbeziehungen einzelner Kirchengemeinden zu protestantischen Gemeinden und Gemeinschaften in Tschechien. Der Zuzug von Aussiedlern veränderte in den letzten Jahren das Gesicht unserer Gemeinden. Die weitgehend evangelischen Aussiedler machen sich deutlich im Gemeindealltag bemerkbar und lassen deutlich erkennen, daß das Zusammenwachsen im europäischen Haus im Großen wie im Kleinen eine unverzichtbare Zukunftsaufgabe darstellt. Auch die Glasstraße ist mehr als nur eine geographische Linie. Die Glas- oder in einem weiter gespannten Rahmen: die verarbeitende Industrie hat neben der Landwirtschaft dem Lebensraum „bayrischer Wald“ ein unverkennbares, wenngleich zwiespältiges Siegel aufgedrückt. Durch die Jahrzehnte hat sich eine „Pendler“-Struktur erhalten! Der Einfallsreichtum und das Engagement beherzter Politiker zeitigten ein weiteres Merkmal der Gemeinden in unserer Region.- ich meine die starke Förderung der sogenannten „weißen Industrie“,- sprich: der Fachkliniken, der Kur- und Reha-Einrichtungen. Die europaweit erste Fachklinik für „Traditionelle Chinesische Medizin, kurz TCM Klinik in Kötzting und die für die ganze Bundesrepublik modellhafte medizinische Telematik, also der weltweit vernetzte Operationssaal in Stamsried markieren diesen Schwerpunkt speziell unserer Region. Allein im Bereich des Landkreises Cham existieren auf diesem Sektor ca. 2.500 Betten, wodurch dank des medizinischen Tourismus auch mit überdurchschnittlich vielen evangelischen Patienten in unserer Region zu rechnen ist. Die vielen Mütterkurheime – bei denen auch die evangelische Kirche vertreten ist – wurde dabei noch nicht einmal berücksichtigt. Die hervorgehobene „weiße Industrie“ im Landkreis Cham allein schon führte dazu, daß eine halbe Pfarrstelle mit dem speziellen Auftrag zum Aufbau einer Kur- und Klinikseelsorge in unserem Bayerwald-Dekanat genehmigt wurde. Nun sei auch noch die dritte Größe – der Regenwanderweg – als ein Sinnbild für die Tourismus- und Freizeitindustrie angesprochen. Speziell im Südosten unseres Dekanates gehört die Tourismusseelsorge zu den zentralen Aufgaben eines Pfarrers dieser Region. – Immerhin ist der Kultur- und Wirtschaftsraum, in dem wir leben, das größte zusammenhängende Urlaubsgebiet nördlich der Alpenregion. Dies belegen nicht nur solche Ortsnamen wie Bodenmais, sondern auch die vielen Volksbühnen im Landkreis Cham, sei es der „Trenk“ in Waldmünchen, „Pfingstritt“ und „Jedermann“ in Kötzting oder das älteste Spiel dieser Art, der „Drachenstich“ in Furth. Daß dies nur eine Auswahl ist, muß hier doch noch betont werden. Dass auch die immer stärker sich entwickelnde Freizeitindustrie zu den Boom-Sektoren unseres Lebensraumes zählen, bedarf kaum einer Erwähnung. Der Glas-Erlebnispark in Bodenmais, die Glasstadt von Arnbruck, der Nationalpark und seine Erweiterung in unseren Dekanatsbezirk hinein, die vielen Wanderwege, Loipen und Skilifte eines vorbildlich sanften Tourismus´ zeigen dies deutlich. Mit mehr als 6 Mio. registrierten Übernachtungen – Sommer wie Winter - reichen wir dem Bäderdreieck und den Landkreisen des Alpen- und Voralpenraumes durchaus das Wasser. Ja mehr noch: während dort in den letzten Jahren – bedingt durch die wirtschaftliche Entwicklung - deutliche Einbußen festzustellen waren, blieb und bleibt in unserer Region der Tourismus ein äußerst stabiler Faktor. Zurecht unterstützen – in den Sommermonaten – etliche Kur- und Urlaubsseelsorger bzw. Kurorganisten die Tätigkeit der protestantischen Geistlichen. Ich hoffe, sie sind nun ein wenig informiert über ein ungewöhnliches Dekanat in einer ungewöhnlich schönen Gegend. Eine gute Zeit wünscht Ihnen Walter Kotschenreuther
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